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Berlanga Special

Berlanga Special

Hundert Jahre Luis García Berlanga

Der Chronist von Spanien
26.10. bis 29.10.2021 im Filmhaus

Zur Person:
Luis García Berlanga (Valencia 1921 - Madrid 2010) gilt als einer der bedeutendsten und eigenartigsten Filmregisseure Spaniens und als außergewöhnlicher Chronist seines Landes. Seine Filmografie gehört in Spanien zur Allgemeinbildung, so dass die Real Academia de las Letras Españolas 2020 einstimmig das Adjektiv 'berlanguiano' in ihr renommiertes Wörterbuch aufgenommen hat. Juan Luis Cebrián, Mitgründer der einflussreichen Zeitung El País, hat erst kürzlich vorgeschlagen, folgende Definition für dieses Adjektiv ins Wörterbuch hinzuzufügen: 'grotesk, aber real'.

Für die Tatsache, dass Berlanga im Ausland keinen vergleichbaren Ruhm erlangt hat, gibt es mehrere mögliche Erklärungen, wie etwa den scheinbar volkstümlichen Charakter seiner Filme oder eine bewusste Orientierung an den konkreten Problemen der spanischen Gesellschaft. Auch die teilweise hartnäckige Distanzierung von allen politischen Bewegungen seiner Zeit - er selbst sieht sich als eine Art liberalen Anarchisten - haben womöglich zu dieser relativen internationalen Unkenntnis über Berlanga als Kultregisseur beigetragen.

Dennoch haben mehrere seiner Filme renommierte internationale Auszeichnungen und Nominierungen erhalten: Bienvenido Mr. Marshall gewann bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1953 den Preis für die beste Komödie sowie die lobende Erwähnung für sein Drehbuch, El verdugo erhielt 1963 den FIPRESCI-Preis bei den Filmfestspielen in Venedig, Plácido wurde 1961 als bester nicht-englischsprachiger Film für den Oscar nominiert. Die spanische Filmakademie ernannte Berlanga 1986 zum Ehrenpräsidenten und ein Jahr später erhielt er als erster Filmemacher einen Ehren-Goya für sein Lebenswerk.

Berlanga wurde 1921 als Kind einer angesehenen bürgerlichen Familie in Valencia geboren. Sein Großvater und sein Vater waren Politiker, die in der Zeit vor dem Bürgerkrieg für verschiedene liberale, aber auch konservative Regierungen agierten. Nach Ende des Bürgerkrieges 1939 wurde Berlangas Vater aufgrund seiner politischen Tätigkeit als Republikaner inhaftiert. Um seinen Vater vor der Todstrafe zu retten, so sagte Berlanga, ließ er sich von der División Azul anwerben, einer freiwilligen Infanteriedivision, die unter dem Schirm der deutschen Wehrmacht an der Ostfront kämpfte. Nach seiner Rückkehr nahm er sein Philosophiestudium wieder auf, gründete einen Filmclub in Valencia und verfasste regelmäßig Filmkritiken für unterschiedliche Zeitschriften.

Nach dem Krieg bewarb er sich erfolgreich für den allerersten Studienjahrgang am frisch gegründeten Instituto de Investigaciones y Experiencias Cinematográficas in Madrid, der ersten staatlichen Filmhochschule Spaniens. Dort traf er unter anderem Juan Antonio Bardem, mit dem gemeinsam er 1951 seinen ersten Spielfilm Esa pareja feliz realisierte. Ebenfalls mit Bardem schrieb er 1953 das Drehbuch für seinen Erfolgsfilm Bienvenido Mr. Marshall. Der Film bot Berlanga die Möglichkeit, weitere renommierte europäische Filmemacher -insbesondere die italienischen Neorealisten - zu treffen und näher kennenzulernen. 1959 traf Berlanga dann mit Rafael Azcona die wichtigste Person seines Filmschaffens, der auch sein bester Freund werden sollte. Der äußerst produktive Drehbuchautor arbeitete mit Berlanga an mehr als zehn Filmen zusammen. Die Filmografie Berlangas gliedert sich in zwei unterschiedliche Schaffensphasen.

Während seine Filme in der Zeit des Franquismus klare Züge des italienischen Neorealismus aufweisen und er mit seiner extrem grotesken Darstellung der Gesellschaft mehr als einmal die Zensur herausforderte, werden seine Filme ab Ende der Siebziger Jahre eigenständiger, individueller und unvorhersehbarer.

Eine Initiative der Spanischen Botschaft in Deutschland, unterstützt vom Workshop Filmuntertitelung der Heinrich-Heine-Universität Du?sseldorf.
Kurator des Berlanga-Specials: Miguel Herrero